Mittwoch, 19. Oktober 2011

Körperteile aus Metall

Gestern habe ich nach langem Zaudern und einigen Tränen eines meiner Piercings rausgenommen. Seitdem fühle ich mich nicht mehr so "vollständig" wie zuvor. An der Stelle, an der es steckte, befindet sich jetzt nur noch gerötete Haut. Ansonsten ist alles wie zuvor. Als hätte ich es nie stechen lassen. Ich war, ehrlich gesagt, mehr als nur traurig darüber. Ich hatte es jetzt 3 Jahre und empfand es als ein Teil von mir. Meines Körpers und auch meiner Persönlichkeit.

In der Nacht habe ich dann lange darüber nachdenken können. Es ist doch nur ein Stück Metall. Überaus klein und nicht einmal besonders in Aussehen und Form. Wieso fühle ich mich dann so, als hätte ich einen Finger, Zeh oder ein Ohr verloren? Schließlich wechsel ich doch auch so den Schmuck von Tag zu Tag. Wenn ich abends meine Ohrringe ausziehe, fühle ich mich doch auch nicht nackt. Vielleicht liegt es aber daran, dass dieser Schritt nicht entgültig ist? Identifiziere ich mich so sehr mit diesem kleinen Stäbchen, welches nun für beinahe jeden Menschen unsichtbar an meinem Körper war? Offensichtlich ja...

Ich denke, ich habe mich einfach sehr damit identifiziert, weil es etwas war, was nicht jeder hat. Leute, denen ich davon erzählte, haben gestaunt. Einige waren positiv überrascht, andere weniger. Sicher, jeder macht sich gerne interessant (siehe Blogschreiber *hust*), und etwas in mir schockt auch gerne.

Zum Anderen ist es auch ein Teil meines Körpers, den ich von mir aus verändert, vielleicht sogar verschönert habe. Etwas, dass ich mir ausgesucht habe. Mein Ohr, meine Augen oder alles andere an mir habe ich mir nicht aussuchen können (schön wärs aber...), doch dieses eine schon. Daher habe ich sicher auch so eine Verbindung zu diesem kleinen Körperteil aus Metall aufgebaut und trauere beinahe schon um seinen Verlust.

Leider werde ich es wohl nicht mehr einsetzen können, daher ist es umso schöner, sich das hier von der Seele zu schreiben.

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